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KinderschutzHaus

Das KinderschutzHaus München unter die Lupe genommen

Ich stehe vor einem hübschen, kleinen Haus mit bunt bemalten Fenstern. Im Hof sind fröhliche Kinderstimmen zu hören. Ein Basketballkorb im Garten lädt zum Spielen ein. Das ist das KinderschutzHaus München im grünen Stadtteil Nymphenburg.

Eine freundliche Frau mit strahlenden Augen öffnet die Tür. Kerstin Schwäbisch ist die Leiterin der stationären Hilfseinrichtung. Im Flur riecht es fast wie zu Hause - nach Spaghetti und Waschmittel. An den Wänden hängen Kinderzeichnungen, Fotos und Collagen. Ein buntes Treppengeländer führt nach oben in die erste Etage. Hier befinden sich die Büros sowie die Gesprächs- und Besucherräume. Alles erinnert eher an WG-Leben als an dröge Schreibtischarbeit. Bei einem Tee erzählt sie über die Hilfsmöglichkeiten und Grundgedanken des KinderschutzHauses: „Unser Hauptziel ist es, die Kinder wieder mit ihren Familien zusammenzuführen. Ehrlichkeit und ein enges Zusammenspiel mit den Eltern sind uns hierbei wichtig. Nur so können wir Vertrauen zueinander finden und neue Lösungswege gemeinsam erarbeiten.“

In diesen farbenfrohen und gemütlich wirkenden Räumen finden in der Regel auch die Vorgespräche mit den Eltern statt. Viele Spielsachen lenken die Kleinen vom ernsten Thema ab. „Wir geben den Eltern oft ein paar Tage Zeit, um sich zu entscheiden. Die Kinder werden selbstverständlich auch gefragt, was sie sich für die Zukunft wünschen“, erklärt die Familientherapeutin.

Im zweiten Stock träumen

Weiter geht es an dem bemalten Geländer entlang in den zweiten Stock. Durch einen Türspalt leuchtet pinke Bettwäsche, an der Wand hängt ein Tokio-Hotel-Plakat. Hier befinden sich die Schlafzimmer der Kinder sowie einer Aufsichtsperson. Die Kinder werden 24 Stunden rund um die Uhr betreut. Es gibt drei Zweibett- und ein Dreibettzimmer. Bei der Raumbelegung richten sich die Betreuer nach Alter und Geschlecht der kleinen Bewohner. „Jeder kann soviel persönliche Dinge mitbringen, wie er will - solange es keine Haustiere sind und noch Platz ist. Schließlich sollen sich alle wohl fühlen.“

Die anderen Räume das Schutzhauses

Ein Stockwerk höher spürt man unter dem Dach die Schwüle des Tages. Doch auch sonst geht es hier manchmal heiß her. In der hellen und einladenden Atmosphäre finden regelmäßig Teamsitzungen, Supervisionen, Familiengespräche und Helferkonferenzen statt. Im Keller ist es kühler. Wer Lust hat, kann sich hier beim Tischtennisspiel in lustiger Runde verausgaben.

Am Ende des Rundgangs dürfen wir noch einmal in die Küche luken. Der Tisch ist schon gedeckt. Auf der Fensterbank steht ein großer Fruchtkorb und lädt zum Zugreifen ein. Noch spielen die Kinder im Nachbarraum und im Garten. Auf einem Sofa fragt eine Pädagogin zwei zwölfjährige Mädchen das Einmaleins der deutschen Märchen: „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich … heiß?“ Rumpelstilzchen heißt im Kinderschutzhaus niemand. Für die Eltern besteht jedoch die Möglichkeit, ihr Kind hier auch anonym unterzubringen.  
Das Gartentor zurrt und fällt ins Schloss. Der Tatendrang der Mitarbeiter und Kinder bleibt uns nachhaltig im Gedächtnis. Das KinderschutzHaus kann für Eltern und Kinder eine gute Lösung sein, gestärkt und gemeinsam in eine bessere Zukunft zu starten. (ck)

Das Interview mit der Leiterin Kerstin Schwäbisch findest Du hier.